Kategorie: Allgemein (Seite 1 von 16)

Moritz Gamperl zu einem Frühwarnsystem für Rutschungen in informellen Siedlungen im Andenraum

Portrait von Moritz Gamperl
(Bild: Moritz Gamperl)

Moritz Gamperl hat Geowissenschaften sowie Ingenieur- und Hydrogeologie an der TU und LMU München studiert. Nach Praktika in verschiedenen Ingenieurbüros folgte seine Masterarbeit zur Ermittlung der Primärspannungen am Koralmtunnel mittels Finite-Elemente-Modellierung. Seit Anfang 2019 arbeitet er am Lehrstuhl für Ingenieurgeologie der TU München im Projekt Inform@Risk in Kolumbien. Er beschäftigt sich dabei hauptsächlich mit der Planung eines Frühwarnsystems, der Entwicklung von Hard- und Software und der Datenauswertung und -Analyse. Hier findet ihr seine Kontaktinformationen sowie den Link zur Projektwebsite und -instagram

Hangbewegungsgefahr in den Anden

Weltweit stieg die Gefahr durch Hangbewegungen in den letzten Jahrzehnten stark an, bedingt hauptsächlich durch intensiveren und häufigeren Niederschlag. Zudem werden im Zuge steigender Urbanisierung die sozial schwächeren Menschen häufig in die gefährlichen Hangbereiche außerhalb von Städten gedrängt. Dies ist insbesondere der Fall in mehreren Großstädten in den Anden, wo mehr als zehn Millionen Menschen in gefährdeten Bereichen leben. Diese Menschen leben oft in sogenannten informellen Siedlungen.

Im Forschungsprojekt Inform@Risk versuchen wir deshalb, die Resilienz dieser informellen Siedlungen gegen Hangbewegungen zu erhöhen, bis eine längerfristige Lösung (Umsiedlung in sichere Bereiche) möglich ist. Dies soll mit einem innovativen Frühwarnsystem gelingen, das einfach und universell einsetzbar ist. 

Das Inform@Risk Frühwarnsystem: Geringe Kosten, hohe Effektivität

Um dieses Ziel zu erreichen, setzen wir einen transdisziplinären und multiskalaren Ansatz ein: Ein Team aus verschiedenen Disziplinen (Landschaftsarchitektur, Ingenieurgeologie, Messtechnik, Fernerkundung, Geoinformatik) arbeitet dafür an einem Pilotprojekt, bei dem zunächst die Gefahrenstufe in verschiedenen Skalenebenen bewertet wird, um anschließend einen Bereich zu identifizieren, in dem das System erstmals eingesetzt werden kann. Dafür wurde die Stadt Medellín in Kolumbien ausgewählt (siehe dazu auch den vorherigen Blogbeitrag von Tamara Breuninger). 

Im Gegensatz zu den meisten anderen Frühwarnsystemen setzt das System auf besonders kostengünstige Sensoren, um eine breite Anwendung zu ermöglichen. Es handelt sich dabei um ein Frühwarnsystem, das eine Warnung auf der lokalen Skalenebene ermöglichen soll und dafür auf Sensordaten in Kombination mit einem Regenradar beruht. Wir entwickeln dazu unsere eigenen Sensorknoten, die auf Open-Source Hardware und Software basieren und mit einfachen Mitteln selbst gebaut und installiert werden können. Die Knoten bestehen aus einem Mikroprozessor und verschiedenen Sensoren, die z.B. Neigung und Temperatur messen können. Zudem können weitere Sensoren einfach an den Basisknoten angeschlossen werden (z.B. Extensometer oder Piezometer). Dazu zählen auch Sensoren, die die Verformung bzw. Neigung im Boden messen können.

Workshop
Abb. 1: Workshop mit der Community, bei dem Prototypen der Low-Cost Sensoren vorgestellt werden (Foto: Moritz Gamperl)

Das Konzept der „Sensor Fusion“

Bei der Datenauswertung ist das Ziel nicht, sich allein auf Einzelmessungen zu verlassen, sondern die Vielzahl der Sensoren als „Netzwerk“ in die Auswertung der Gefahrenstufe einfließen zu lassen („Sensor Fusion“). Dabei hat jeder Messwert einen Schwellenwert, der in einer Testphase festgelegt wird. Wird nur ein einzelner Schwellenwert überschritten, so erfolgt noch keine Warnung durch das System. Erst wenn mehrere Sensoren in unmittelbarer Nachbarschaft eine Überschreitung melden, wird davon ausgegangen, dass es sich um eine Bewegung im Untergrund handeln könnte. Damit sollen falsch positive Ereignisse, also Fehlalarme, beispielsweise durch menschliche Einflüsse, so gut wie möglich verhindert werden. Die Testphase des Systems soll ca. ein Jahr dauern und einerseits die Einzel-Schwellenwerte sowie die Analyse des Gesamtsystems erproben.

La montaña que siente: Einbeziehung sozialer Strukturen in das Frühwarnsystem

Als die wahrscheinlich größte Herausforderung, besonders in Pandemie-Zeiten, stellt sich die Arbeit mit der Bevölkerung vor Ort dar. Alle Arbeiten vor Ort, von der Gefahrenbewertung über den Einbau des Systems bis hin zur Nutzung nach der offiziellen Projektlaufzeit, müssen eng mit den Bewohnern abgestimmt werden. Dazu dienen vor allem monatliche Community-Workshops (Abbildung 1), bei denen verschiedene Themen behandelt werden. Diese umfassen beispielsweise die abgeteuften Bohrungen (Abbildung 2), die Platzierung von Sensoren an Hauswänden oder das Vermitteln von Basiswissen über Hangbewegungen. Darüber hinaus wird die Community aktiv in den Prozess eingebunden, indem einzelne Mitglieder bei der Installation und der geologischen Erkundung eingebunden werden (Abbildung 3). Dies soll vor allem die Kontinuität des Systems  nach der offiziellen Projektlaufzeit sichern, indem eine „Zugehörigkeit“ zwischen den Einwohnern und dem Frühwarnsystem hergestellt wird.

Abb. 2: Poster, mit dem den Bewohnern Zweck und Ablauf der Erkundungsbohrungen vermittelt wurden. La montaña que siente: „Der Berg, der fühlt“ (mit freundlicher Genehmigung der Urheberin Lisa Seiler, LUH)

Perspektive und meine weiteren Ziele

Als ich vor über zwei Jahren in diesem Projekt begonnen habe, war mir vor allem die Verknüpfung von „trockener“ Geologie/Geotechnik mit anderen Disziplinen wichtig und das war auch der Grund, warum ich mich für dieses Projekt entschieden habe. Das bleibt weiterhin so, obwohl sich durch die Pandemie vor allem der soziale Aspekt nur begrenzt, aus der Ferne, bearbeiten lässt. Wir hoffen nun, nach fast zwei Jahren Pause, dass wir im Herbst endlich wieder ins Gelände können und das Frühwarnsystem installieren können und damit den Menschen vor Ort auch wirklich eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen in Aussicht stellen können.

Abb. 3: Gemeinsame Kartierarbeit mit einem Mitglied der Community in Bello Oriente (Foto: Moritz Gamperl)

Tamara Breuninger zur geotechnischen Erkundung von instabilen Hängen in Medellín, Kolumbien

Portrait von Tamara Breuninger
(Bild: Tamara Breuninger)

Tamara Breuninger hat Geowissenschaften und Ingenieur- und Hydrogeologie an der TU und LMU München studiert. Nach ihrer Masterarbeit zum Thema natürlicher Tonabdichtungen zum Schutz gegen Bodenfeuchte in den Ausgrabungen in Pompeji schreibt sie seit Herbst 2018 ihre Doktorarbeit am Lehrstuhl für Ingenieurgeologie der TU München im Projekt Inform@Risk in Kolumbien. Ihr Forschungsfokus liegt vor allem auf der Bodenmechanik, aber auch auf den Verwitterungsprozessen ultramafischer Gesteine und der Hangbewegungsdynamik tropischer Böden. Hier könnt ihr Tamara’s Kontaktinformationen finden.

Weiterlesen

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner*innen!

DGGT/BAW – Kolloquium: Forum für junge Geotechnik-Ingenieure

Die Spezialsitzung “Forum für junge Geotechnik-Ingenieure” findet in der Regel im Rahmen der zweijährig stattfindenden Baugrundtagung statt, welche von der DGGT ausgerichtet wird. Hierin wird dem jungen, geotechnischen Nachwuchs eine große Bühne geboten, um deren wissenschaftliche Arbeit und erste baupraktischen Erfahrungen bei Großprojekten präsentieren zu können. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Baugrundtagung 2020 abgesagt werden, wovon auch die Spezialsitzung war. Daher sollte eine Auswahl der Vorträge bei den Fachsektionstagen 2021 eingegliedert werden, welche aber ebenfalls nicht live stattfinden können. Daher wurde das “Forum für junge Geotechnik-Ingenieure” online und als eigenständige Veranstaltung durchgeführt. Die Arbeitsgruppe brachte sich bei der Vortragsauswahl, Organisation sowie in der Jury ein.

Weiterlesen

Rückblick zu unserem 4. Karriereworkshop

Am 25. März fand zum vierten Mal der gemeinsam von den Jungen Geotechnikern in der DGGT und der DGGT-Geschäftsstelle organisierte Workshop für den wissenschaftlichen Nachwuchs zum übergeordneten Thema „Berufseinstieg“ statt, der Pandemie-bedingt in diesem Jahr erstmals als Online-Veranstaltung durchgeführt wurde.

Die intensive Bewerbung im Vorfeld des Online-Workshops führte dazu, dass 219 Studierende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz der Einladung gefolgt waren und nach den Vorträgen der Jungingenieur*innen in einer virtuellen Kontaktbörse mit 17 Firmen in Kontakt treten konnten.

Weiterlesen

Forum für junge Geotechnik-Ingenieure

Das “Forum für junge Geotechnik-Ingenieure” findet normalerweise im Rahmen der Baugrundtagung der DGGT statt. Da diese pandemiebedingt ausfallen musste, wird das Forum dieses Jahr in Kooperation mit der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) als kostenlose Onlineveranstaltung angeboten.

Am Mittwoch 14.04. zwischen 15 Uhr und circa 18 Uhr könnt ihr euch entspannt von zu Hause dazuschalten und euch von jungen Geotechniker*innen spannende Präsentationen über die unterschiedlichsten geotechnischen Themen anschauen.

Für mehr Infos und den Link zur Videokonferenz schaut am besten auf der Website der Veranstaltung nach.

Wir als “Junge Geotechniker in der DGGT” werden auch mit einer kurzen Vorstellung von uns und unserer Arbeit an der Veranstaltung teilnehmen und freuen uns bei der Prämierung der Vorträge mit dabei sein zu können.

Felix Schumann zur Entwicklung zum klimaneutralen Hochschulcampus der TU Berlin & UdK Berlin

Felix Schumann erhielt 2020 seinen M.Sc. Abschluss in Geotechnologie an der Technischen Universität Berlin. Während eines einjährigen Auslandsstudiums an der Technischen Universität Istanbul befasste er sich vor allem mit Geothermie. Seine Masterarbeit zur Gefahrenabschätzung von Massenbewegungen mittels künstlicher neuronaler Netze wurde als beste Masterarbeit des Studiengangs Geotechnologie im Jahr 2020 ausgezeichnet. Er arbeitete bereits neben dem Studium in mehreren Geo-Ingenieurbüros und seit 2020 ist er forschend für das Fachgebiet Ingenieurgeologie der TU Berlin tätig. Seine Forschungsinteressen sind Oberflächennahe Geothermie, Geothermische Speicher, Massenbewegungen und Künstliche Neuronale Netze.
Hier findet ihr ihn bei LinkedIn.

Weiterlesen

Digitale Votragsreihe des STUVA-YEP – Vorträge zum Tunnelbau am 25. März

Wer am Abend nach unserem Workshop (Kein Lockdown für den Berufseinstieg) noch die Gelegenheit nutzen möchte, zwei spannende Vorträge aus dem Bereich Tunnelbau zu erleben, sollte sich unbedingt bei der Vortragsreihe des STUVA-YEP einwählen.

Die STUVA-YEP, also die Young Engineering Professionals der Forschungsgesellschaft STUVA e.V., die im Bereich des Tunnelbaus tätig ist, bietet jungen Ingenieur*innen Vernetzungsmöglichkeiten und die Hilfe beim Einstieg in die Berufs- und Forschungswelt.

Dieses Event beginnt um 18:00 Uhr und wird über Zoom abgehalten. Für weitere Infos schaut euch den Flyer an!

Letzte Chance zur Anmeldung – Karriereworkshop “Kein Lockdown für den Berufseinstieg” ist fast ausgebucht

Nächste Woche ist es schon so weit: am Mittwoch dem 25. März findet unser Workshop “Kein Lockdown für den Berufseinstieg – Das Online-Special des Workshops der Jungen Geotechniker” statt. Ihr könnt euch noch bis spätestens zum 18.03.2021 einen der letzten freien Plätze sichern. Weitere Infos zu dem Workshop und den Link zum Anmeldeformular gibt es hier.

Weiterlesen
« Ältere Beiträge

© 2021 Junge DGGT

Theme von Anders NorénHoch ↑